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Über West Coast Swing

West Coast Swing, kurz WCS, ist ein Paartanz aus den USA, der es versteht, entspannt und zugleich ziemlich raffiniert aufzutreten. Seine Wurzeln liegen im Lindy Hop, einem kraftvollen und verspielten Swingtanz, der an der US-Westküste weitergedacht wurde. Dort verlagerte man die Bewegung von kreisförmigem Herumtoben hin zu einer klaren, linearen Struktur. So entstand ein Tanz, der sich überwiegend auf einer gedachten Linie, dem Slot, abspielt und dadurch ruhig, kontrolliert und sehr auf den Dialog zwischen den Tanzpartnern fokussiert wirkt.

Im Laufe seiner Entwicklung hat sich West Coast Swing eine besondere Offenheit bewahrt. Statt sich auf eine bestimmte Musik festzulegen, tanzt man ihn heute zu nahezu allem, was Groove und Struktur bietet – von Blues über R’n’B bis zu moderner Popmusik. Entscheidend ist dabei die elastische Verbindung zwischen den Partnern, die Connection, inklusive einer kontrollierten Zugspannung, dem Stretch, die das Führen und Folgen zu einem fein abgestimmten Austausch macht, eher Gespräch als Kommando.

Was WCS heute auszeichnet, ist diese Balance aus Verlässlichkeit und Freiheit. Es gibt klare Grundmuster, aber sie dienen mehr als gemeinsames Vokabular denn als starre Regeln. Vieles entsteht im Moment, angereichert durch Musikalität, bewusste Pausen und gezielten Bewegungen einzelner Körperpartien. Das Ganze wirkt lässig und unaufgeregt – bis man merkt, wie viel Aufmerksamkeit, Präzision und Augenzwinkern in diesem Tanz stecken.